Herkunft und Technik rumänischer Hinterglasikonen-Malerei

Herkunft und Technik rumänischer Hinterglasikonen-Malerei

Poesie des Glaubens – Rumänische Hinterglasikonen aus dem 19. Jahrhundert

In der Orthodoxie spielt die Ikone als heiliges Abbild eine herausragende Rolle. Sie genießt große Verehrung, da sie als wesensähnlich mit der dargestellten Person angesehen wird. Das Bild stellt daher eine direkte Verbindung zur Heiligenfigur dar. Seit dem 8. Jahrhundert gibt es in der orthodoxen Kirche einen festen Kanon an Themen mit tradierten Bildtypen, die allerdings alle auf Holz gemalt wurden.

Die ersten Hinterglasbilder der Region entstanden nach bisherigem Forschungsstand ab dem 17. Jahrhundert. Zunächst in einfacher Maltechnik, die mit einem Spiegelgrund hinterlegt wurde, später als Temperamalerei. Dieses Verfahren wurde wahrscheinlich in Tirol und Südböhmen zuerst angewandt, verbreitete sich dann in Bayern und im Böhmerwald und gelangte über Öster-reich und Ungarn nach Siebenbürgen.

Ein wichtiges Ereignis für die Verbreitung der Hinterglasmalerei in Siebenbürgen ist das so genannte Wunder von Nicula, ein Städtchen im Nordwesten Siebenbürgens, im Jahre 1694. Es heißt, die in der Dorfkirche von Nicula befindliche Ikone der Gottesmutter habe 26 Tage lang Tränen vergossen. Daraufhin wurde die für die wundertätige Ikone neu gebaute Klosterkirche zum Wallfahrtsort. Der große Zustrom von Pilgern veranlasste einige Bauern von Nicula und des nahe gelegenen Ortes Gherla, dieses Marienbild auf Glas zu malen und damit Handel zu treiben. Für ihre Malerei nutzten sie die Winterzeit. Im Frühjahr tauschten sie die Bilder gegen Saatgut oder andere Dinge ein, was ihnen zu einem bescheidenen Wohlstand verhalf.

In den Bauernhäusern Siebenbürgens waren Hinterglasikonen lange Zeit der einzige Bilderschmuck. Er war zunächst Ausdruck der Frömmigkeit ihrer Bewohner. Denn die Ikonen dienten in erster Linie nicht der dekorativen Ausstattung, sondern versprachen Schutz vor Krankheit und Gefahren. Sie sind eng mit der Glaubenswelt der orthodoxen rumänischen Bevölkerung verbunden und zeigen die gesamte Bandbreite religiöser Themen.

Die Farbgebung der frühen Hinterglasbilder aus Nicula verdankt ihrem besonderen Kolorit den Pigmenten aus Erde und Metalloxiden, die teils direkt aus der Natur gewonnen, teils beim Dorfkrämer gekauft werden konnten. Das Weiß wurde aus Kalkstein, Gelb und Ocker aus gelber Erde, Rot aus dem Mineral Minium, Gold- oder Kupfersalzen, Grün aus Kupferoxid oder Chromsalzen, Braun und Violett aus Mangan und Blau aus Kobaltglas (Smalte) oder Kupferkarbonat (Azurit) gewonnen. Diese Grundstoffe zerrieb man auf einer glatten Stein- oder Marmorplatte mit einem harten Stein zu einem feinen Pulver.

Die so gewonnenen Pigmente wurden auf der gleichen Platte mit einer Lösung, die aus dünnem tierischen Leim, Eigelb und Leinöl gemischt war, vermengt. Durch das Kochen von Hasenknochen oder Schaflederstückchen erzielte man einen besonders elastischen Leim. Die Beigabe von Ochsengalle oder Essig sollte die Zersetzung der tierischen Substanzen verhindern. Manchmal versetzte man die Pigmente auch nur mit Firnis und Sikkativ.

Die während des 18. und oft noch bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts verwendeten Naturfarben erzielen eine völlig andere optische Wirkung als die industriell hergestellten, fein geriebenen chemischen Pigmente, die zunehmend Verwendung fanden. Da die Zusammensetzung der Industriefarben konzentrierter ist, wirken die Farbtöne intensiver und satter. Die im Frühstadium der siebenbürgischen Hinterglasmalerei verwendeten, von den Malern selbst bereiteten Farben, besitzen dagegen einen nuancenreichen Ton. Da das Pigment nicht gleichmäßig im Bindemittel verteilt ist, weisen die alten Farben infolge uneinheitlicher Dichte und Sättigung verschiedene Abstufungen auf.