Karl Schmidt-Rottluff. Formen und Farbe

Karl Schmidt-Rottluff. Formen und Farbe

25. Mai bis 5. August 2007

1328258142305.pngDie Ausstellung im Kunstforum der Berliner Volksbank, die in Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin entstand, widmete sich zum ersten Mal seit 1993 erneut dem Gesamtwerk von Karl Schmidt-Rottluff, der für sein faszinierendes Spiel mit Formen und Farbe bekannt ist.

Mit rund 100 Werken aus den Beständen des Brücke-Museums näherte sich die Retrospektive auf eine besondere Weise dem Werk von Karl Schmidt-Rottluff und eröffnet einen Dialog zwischen seinen Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und seltenen eigenen Plastiken sowie afrikanischen und ozeanischen Masken, die dem Künstler immer wieder als Bildvorlagen dienten. Die afrikanische und ozeanische Stammeskunst besaß eine immense Bedeutung für Karl Schmidt-Rottluffs eigenes künstlerisches Schaffen. Er nutzte ihre „primitive“ Formsprache, um eine Annäherung an die Ursprünge aller Kunst zu finden und eine Steigerung des Ausdrucks der „Empfindung vor dem Gesehenen“ zu erreichen.

Karl Schmidt-Rottluff betrachtete die verschiedenen Techniken in seinem Schaffen als eigenständige Medien mit individueller Ausdruckskraft und spezifischem ästhetischen Potential. Dies verdeutlichte er sehr bewusst durch die Bearbeitung einer Vielzahl von Motiven in unterschiedlichen Verfahren. Gleichzeitig betonte er durch dieses Vorgehen die verschiedenen Realitätsebenen seiner Kompositionen, vor allem seiner Stillleben. Die Gegenüberstellung der außereuropäischen Kunstwerke aus der Sammlung Schmidt-Rottluffs, die er teilweise für die Stillleben arrangierte, mit den eigenen Arbeiten des Künstlers erlaubt somit einen einmaligen Einblick in seine Arbeitsweise.

Als Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Brücke“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte Karl Schmidt-Rottluff mit dem Expressionismus den Aufbruch in die Moderne. 1964 initiierte er den Bau des Brücke-Museums, das am 15.09.1967 eröffnet wurde und in diesem Jahr sein 40. Jubiläum feiert. Das malerische Werk Karl Schmidt-Rottluffs erstreckt sich über fast 70 Jahre.

Biografie

1884
Karl Schmidt wird in Rottluff bei Chemnitz geboren. Im Alter von achtzehn Jahren lernt er im Schülerclub „Vulcan“ in Chemnitz Erich Heckel kennen.

1905
Karl Schmidt beginnt ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Dresden. Gemeinsam mit Erich Heckel, Fritz Bleyl und Ernst Ludwig Kirchner gründet er 1905 die Künstlergruppe „Brücke“. Karl Schmidt fügt seinem Namen den seines Geburtsortes hinzu und nennt sich fortan Schmidt-Rottluff.

1906
Er gibt das Studium auf, um sich ganz der Kunst zu widmen.

1911
Umzug nach Berlin. Erste Kontakte mit Strömungen der internationalen Avantgarde, Anregungen durch Kubismus, Futurismus und afrikanischer Stammeskunst finden verstärkt Eingang in sein Schaffen

1907 bis 1912
Schmidt-Rottluff hält sich regelmäßig im Sommer in Dangast nördlich von Oldenburg auf, zeitweilig wird er von Heckel begleitet. In der Abgeschiedenheit der einsamen Küstenregion entsteht ein wesentlicher Teil seiner Gemälde, Aquarelle und Druckgrafiken. Die ausgeprägte Neigung zum Rückzug kennzeichnet Schmidt-Rottluffs Künstlerpersönlichkeit und macht ihn zum Einzelgänger im Kreis der „Brücke“.

1913
Nach Auflösung der „Brücke“ entwickelt Schmidt-Rottluff eine wuchtig-monumental stilisierte Formensprache.

1915
Er wird zum Militärdienst in Russland und Litauen eingezogen.

1918
Kehrt er nach Berlin zurück und heiratet Emy Frisch. Aquarelle und Gemälde beherrschen das spätexpressionistische Schaffen der 1920er Jahre. Schmidt-Rottluff entdeckt seine große Liebe für die Landschaften der Ostsee. Weitere Reisen führen ihn nach Italien, Paris, Dalmatien und ins Tessin.

1931
Schmidt-Rottluff wird Mitglied der Preußischen Akademie.

1936
Als „entarteter“ Künstler diffamiert, erhält Schmidt-Rottluff Ausstellungsverbot.

1941
Die Nationalsozialisten verbieten ihm das Malen.

1943
Sein Berliner Atelier wird ausgebombt; Schmidt-Rottluff wählt die „innere Emigration“ in Rumbke am Lebasee in Ostpommern und in Rottluff.

1947
Rehabilitierung durch Berufung als Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin

1955
Übergabe von rund siebzig eigenen Werken für die Gründung des Brücke-Museum Berlin.

1964
Schmidt-Rottluff nimmt an der ersten documenta teil.

1976
Karl Schmidt-Rottluff stirbt im Alter von 92 Jahren in Berlin.

Foto: Stillleben mit Skulptur „Panischer Schrecken“ um 1940, Tusche und Farbstifte, Karl und Emy Schmidt-Rottluff Stiftung

Weitere Informationen

Ausstellungsflyer (PDF) >>