âWie man trĂ€umt, so soll man malenâ
(Werner Heldt)
Traum, Sehnsucht, Heimat Berlin und Freiheit beschĂ€ftigen die kommende Ausstellung, die am 16. Februar 2024 in der Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank eröffnet. AnlĂ€sslich des 70. Todestages des Malers, Grafikers und Lyrikers Werner Heldt (1904 â 1954), der zu den prĂ€gendsten KĂŒnstlern der Nachkriegszeit gehört, werden Werke im Dialog mit frĂŒhen sowie aktuellen Arbeiten von Burkhard Held (* 1953) gezeigt â beides KĂŒnstler der Kunstsammlung der Berliner Volksbank, die zusammen 100 Jahre Held(t)en Geschichte malen. Die GemĂ€lde, Papierarbeiten und Grafiken entspringen verschiedenen Schaffensphasen beider KĂŒnstler; es entstehen Stimmungsbilder, die inmitten historischer Kontexte in einen Dialog treten.
Werner Heldt wird 1904 in Berlin geboren und studiert von 1922 bis 1924 an der Kunstgewerbeschule; es entstehen seine ersten Arbeiten. Es folgt ein Studium an der Akademie der KĂŒnste in Charlottenburg. Impressionen der (nĂ€chtlichen) Stadt Berlin werden Gegenstand seines stillen, beobachtenden Schaffens. Die Jahre ab 1929 werden zu einem Wendepunkt fĂŒr ihn. WĂ€hrend des Nationalsozialismus flieht er ins Exil nach Mallorca und setzt sich dort mit der bedrĂŒckenden Bedrohung in seiner Heimat auseinander. Im Jahr 1936 ist er mit dem Ausbruch des Spanischen BĂŒrgerkrieges gezwungen nach Berlin zurĂŒckzukehren. Ab 1940 rĂŒckt er als Soldat im Zweiten Weltkrieg ein und kehrt 1946 aus britischer Kriegsgefangenschaft zurĂŒck. Bis 1949 lebt er in Berlin-WeiĂensee (Ost), bevor er nach Berlin (West) umzieht. Er stirbt im Jahr 1954 in Ischia (Italien).
Burkhard Held wird 1953 in Berlin (West) geboren. Von 1972 bis 1978 studiert er an der Hochschule der KĂŒnste, Berlin (West). 1979 bis 1980 verbringt er einen einjĂ€hrigen Studienaufenthalt in Garrucha (Spanien) mit einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Seit 1993 ist er bis zu seiner Emeritierung als Professor an der UniversitĂ€t der KĂŒnste Berlin tĂ€tig. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Die trĂ€umerische Wiedergabe (der Begriff Traum als Ausdruck der Legitimation der Erfahrung von RealitĂ€t) der Innenwelt ist ein kĂŒnstlerisches Merkmal Werner Heldts Darstellungen. Der Begriff âTraumâ findet sich in einer Sehnsucht nach Freiheit in der Ferne wieder â Zeit im Bild beschĂ€ftigt Werner Heldt sowie auch Burkhard Held.
Burkhard Held widmet sich in den 1980er und 1990er insbesondere den Themen âFigur und Raumâ. Er denkt den Raum und die Figur nicht getrennt; der Raum umfasst in seinem Bild auch die Figur. Die scharfen, bescheidenen FlĂ€chen und angrenzenden Kanten der spanischen Architektur haben seine Figurenmalerei durchaus beeinflusst. SpĂ€ter löst sich die Figur im Malprozess immer mehr auf. Das Berliner Stadtbild als Heimatort mĂŒndet in die Sehnsucht nach Natur und die Weiten der Landschaft. Mit seinem Aufenthalt in Portugal ab 2018 öffnet sich Helds Blick fĂŒr die Gegebenheiten des Meeres. Die landschaftlichen Kompositionen des Wassers in seinen GemĂ€lden gewinnen an FarbintensitĂ€t und BildflĂ€che. Die kontrastreichen, flĂ€chigen Elemente zeigen sich als Abstraktion des GegenstĂ€ndlichen.
In den Arbeiten âBerlin am Meerâ, die in den vierziger Jahren entstanden sind, verwandelt Werner Heldt seine zerstörte Heimatstadt Berlin tagtrĂ€umerisch in ein Meer. Die Werke der Nachkriegszeit weisen klar gezogene Linien sowie vergröĂerte FlĂ€chen auf und trennen sie deutlich voneinander ab; es zeigen sich Elemente der mallorquinischen Architektur.
Mit Werner Heldts âStilleben am Fensterâ, die in den 1940er und 1950er Jahren entstanden sind, oder dem âBerliner Fensterâ (1988) von Burkhard Held wird die Heimat Berlin von auĂen und innen betrachtet. Das, was im AuĂen geschieht, wird registriert, aufgenommen und in Verbindung mit der inneren GefĂŒhlswelt wiedergegeben; die Grundstimmung der Sehnsucht wird durch den Fensterblick verstĂ€rkt.
Auch in ihrer stilistischen Ausdrucksform finden Werner Heldt und Burkhard Held eine Ă€hnliche Sprache, die sich in der sachlich abstrakten ExpressivitĂ€t ausdrĂŒckt. Die rĂ€umlichen Konstellationen, Gestalten und Objekte entstehen in der Erweiterung des Raumes, bzw. im Durchdringen, Dehnen und Formen von FlĂ€che und der Befreiung von Grenzen.
Verschiedene Impulse mit Blick auf Berlin lassen ein Spannungsfeld von Stimmungsbildern beider KĂŒnstler entstehen, die inhaltlich und stilistisch in einen interessanten Dialog treten.