Der “Millionenstrichler”

Der “Millionenstrichler”

Das Frühwerk von Horst Janssen

30.08. bis 11.11.2007

1328257032253.pngIn Kooperation mit dem Horst-Janssen-Museum Oldenburg und Galerie und Verlag St. Gertrude.

Das Werk von Horst Janssen (1929 – 1995) wird oft verglichen mit der Kunst Albrecht Dürers, Rembrandts oder Francisco de Goyas. In Kooperation mit dem Horst-Janssen-Museum Oldenburg zeigt das Kunstforum der Berliner Volksbank rund 100 der schönsten und bedeutendsten Zeichnungen, Lithografien, Radierungen und Holzschnitte aus dem Frühwerk von Horst Janssen. Es ist der unbekanntere Janssen, der in der Ausstellung entdeckt werden kann, der scheue, spröde, in sich gekehrte Janssen, der manisch zeichnet und dabei eine Erfindungskraft entwickelt, die auf kleinstem Raum mit unerschöpflichem, minutiösem, detailversessenem Strich Mikrokosmen schafft.

Diese Arbeiten aus dem Frühwerk des “Millionenstrichlers”, wie er sich selbst bezeichnete, gehören mit Sicherheit zu seinen anspruchsvollsten und wichtigsten Arbeiten. Die frühen werden ergänzt durch siebenundzwanzig spätere Werke der Galerie und Verlag St. Gertrude.In der Ausstellung waren frühe Lithografien, die einfühlsame Porträts darstellen, erotische “Fleischzeichnungen” und Radierfolgen, wie “Nana”, “L’heure de Mylène” und “Harald im Park”, skurril und anzüglich zugleich, zu sehen. Aber auch Arbeiten aus der so genannten “Kritzelphase” des Künstlers, die stark von der Art brut, der “rohen, unverfälschten Kunst” inspiriert sind oder auch große, farbintensive Holzschnitte, die Menschen und Tiere abbilden.

Biografie

1929
Am 14. November wird Horst Janssen in Hamburg geboren, wächst als einziges und uneheliches Kind der Schneiderin Martha Janssen bei den Großeltern in Oldenburg auf.

1939
Tod des Großvaters, Schneidermeister Fritz Janßen

1943
Tod der Mutter.

1942 – 1945
Schüler der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola) in Haselünne, Emsland, findet nach dem Krieg Aufnahme bei seiner Tante Anna im zerbombten Hamburg

1946 – 1951
Kunststudium bei Alfred Mahlau an der Landeskunstschule Hamburg

1950
Geburt des Sohnes Clemens, der in der Familie von Gabriele Gutsche aufwächst

1951
Studienstiftung des deutschen Volkes

1952
Lichtwark-Stipendium

1954
entstehen erste Lithografien

1955
Ehe mit Marie Knauer

1956
Geburt der Tochter Katrin, genannt Lamme

1956
stellt Janssen erstmals Farbholzschnitte in den eigenen Räumen in der Warburgstraße/Hamburg aus.

ab 1957
Ausstellung in Hannover in der Galerie von Hans Brockstedt. Großformatige Radierungen entstehen nach Anleitung durch Paul Wunderlich. Von Hamburg geht die “Neue Figuration” aus.

1959
Tod des Freundes und Malers Reinhard Drenkhahn. Scheidung der ersten Ehe. Zweite Ehe mit der Galeristin Birgit Sandner, Scheidung der zweiten Ehe.

ab 1959
(Wieder-)Anfang in der Zeichnung.

1960
Hochzeit mit Verena von Bethman-Hollweg

1961
Geburt des Sohnes Philip

ab 1961
Ausbildung eines unverwechselbaren grafischen Stils in den Feinstrichzeichnungen

1965
erste große Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft, Hannover. Nachfolgend in Berlin, Darmstadt, Stuttgart, Düsseldorf, Lübeck und Basel.

1967
Umzug nach Hamburg-Blankenese, Tod seiner Adoptivmutter – “Tantchen”.

1968
Erster Preis für Grafik auf der Biennale in Venedig. Scheidung von seiner dritten Ehefrau Verena. Neue Lebensgemeinschaft mit Gesche Tietjens.

1970 – 1972
Entdeckung der Landschaft als Motiv. Zeichnen und Radieren nach der Natur und den alten Meistern.

1973
Zweite Ausstellung in der Kestner-Gesellschaft, Hannover. Gesche Tietjens bringt Sohn Adam zur Welt

1974 – 1975

Werbung um Birgit Jacobsen. Das Buch November entsteht, Janssen erhält den Schillerpreis der Stadt Mannheim.

1977 – 1978
Erotische Aquarelle nach Verbindung mit Viola Rackow und Kerstin Schlüter entstehen.

1980 – 1983
Übergang vom Buntstift zum Pastell. Vier Radiersuiten entstehen, darunter Nigromontanus. Janssen intensiviert seine schriftstellerische Arbeit: Anmerkungen zum Grundgesetz (1981) und Pfänderspiel (1983). Ausstellungen im Art Institute of Chicago und im Busch Reisinger Museum, Harvard University, Cambridge, Mass.

1981
Veröffentlichung der Textsammlung Querbeet, im Dornbusch-Verlag erscheint das Verzeichnis aller Janssen-Radierungen.

1982
Ausstellungen u. a. in der Albertina, Wien; Kamakura Museum, Tokio; Munch Museum, Oslo.

1983
Der Verlag St. Gertrude von Dierk Lemcke wächst in die Rolle eines Hausverlages für Janssen.

1984
erscheint die Janssen-Biografie von Stefan Blessin im B.S. LILO-Verlag, Hamburg

1986
Ausstellungseröffnung Galerie Berggruen, Paris

1987
Hinkepott – erster Band der Autobiografie

1989
Johannes – zweiter Band der Autobiografie

1990
kurzzeitige Erblindung nach Absturz mit dem Balkon. Genesung an der Seite von Heidrun Bobeth, die ihn zu unerhört farbigen Landschaftsaquarellen (Bobethanien) und zu erotischen Farbradierungen inspiriert.

1992
Ehrenbürger der Stadt Oldenburg.

1994
zum 65. Geburtstag zeitgleich Ausstellungen in den drei führenden Museen der Hansestadt Hamburg.

1995
Horst Janssen stirbt. Beisetzung auf dem St. Gertruden-Kirchhof in Oldenburg.

Foto: Horst Janssen, Oma und Opa, Holzschnitt, 1957

Weitere Informationen

Ausstellungsflyer (PDF) >>

Website Horst-Janssen-Museum >>

Website Galerie und Verlag St. Gertrude >>