WIR. Nähe und Distanz – Jubiläumsausstellung mit Werken aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank

Zum 35-jährigen Jubiläum des Kunstforums und der Kunstsammlung der Berliner Volksbank sowie zu 15 Jahren „Werkstatt für Kreative“, und zum 75. Geburtstag der Berliner Volksbank eG ist eine Ausstellung entstanden, die das Thema „WIR. Nähe und Distanz“ in den Mittelpunkt stellt.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Mitarbeiter:innen der Berliner Volksbank, die sich angeleitet von den beiden Kuratorinnen der Stiftung KUNSTFORUM gemeinschaftlich mit der hauseigenen Kunstsammlung beschäftigt haben.

Klaus Fußmann, Atelier mti Roter Jacke, 1973, Öl auf Leinwand, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 957 Copyright: Klaus Fußmann 2021
Cornelia Schleimen, Sibirischer Frühling, 1987, Mischtechnik auf Flies, Assemblage, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 1477

Eine erste Gruppe von zehn Mitarbeiter:innen wählte für den Teil der im Februar eröffneten Ausstellung Gemälde, Skulpturen und Grafiken aus, die sie besonders persönlich ansprachen. Reflexionen über das private und gesellschaftliche Miteinander gaben den Ausschlag, dieses Thema für die Ausstellung im Erdgeschoss festzulegen.

Eine zweite Gruppe von vier Mitarbeiter:innen fokussierte sich für die Erweiterung der Schau im Juni auf die 75-jährige Zeitspanne des Bankjubiläums. Sie wählte für die Erweiterungsflächen im 1. Obergeschoss Kunstwerke der letzten acht Jahrzehnte aus, die Schlaglichter auf das Berliner Kunstgeschehen seit 1946 werfen.

Die nun erweiterte Ausstellung zeigt rund 60 Werke aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank. Zu sehen sind Arbeiten von Hermann Albert, Gerhard Altenbourg, Armando, Christa Dichgans, Rainer Fetting, Klaus Fußmann, René Graetz, Rolf Händler, Sylvia Hagen, Werner Heldt, Ingeborg Hunzinger, Peter, Janssen, Carsten Kaufhold, Konrad Knebel, Hans Laabs, Wolfgang Leber, Markus Lüpertz, Wolfgang Mattheuer, Harald Metzkes, Silke Miche, Helmut Middendorf, Arno Mohr, Kurt Mühlenhaupt, Roland Nicolaus, Wolfgang Petrick, Rita Preuss, Erich Fritz Reuter, Cornelia Schleime, Ludwig Gabriel Schrieber, Michael Schoenholtz, Reiner Schwarz, Ursula Strozynski, Christian Thoelke, Heinz Trökes, Hans Uhlmann, Ulla Walter, Britta von Willert, Martin Zeller u.a.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der käuflich erworben werden kann.

Ausstellungsfilm „Kollektive Kunstpause” - 16:00 Minuten © Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH.


Katalogtext von Mitkuratorin Dr. Janina Dahlmanns

Das Jahr 2020 war von der Pandemie geprägt – und die Frage nach Nähe und Distanz drückte dem alltäglichen Leben der Menschen, wie auch der Arbeit des Kuratorenteams aus Mitarbeitern der Berliner Volksbank ihren Stempel auf. Konnte Sicherheit entstehen durch den physischen Abstand von 1,5 Metern? Gab es Nähe und ein gemeinsames Wir-Gefühl auch im virtuellen Raum der Videokonferenz? Oder allgemeiner: erwächst Solidarität und Gemeinschaft auch / trotz / wegen räumlicher Distanz?

So tagesaktuell diese Fragestellungen waren, so fanden sich auch grundsätzliche, philosophische Gedanken zu diesem Thema.
Schon in der Parabel „Die Stachelschweine“ des Philosophen Arthur Schopenhauer von 1851 wird das Dilemma von Nähe und Distanz im Miteinander thematisiert: eine Gruppe von Stachelschweinen hat das Bedürfnis nach körperlicher Wärme – gleichzeitig jedoch schmerzen die Stacheln des Nachbarn, je näher die Einzelnen aneinanderrücken. Es gilt also, den idealen Abstand zu finden, um die gemeinschaftliche Wärme zu nutzen, ohne sich an den Stacheln der Anderen zu stechen. Dieser Konflikt lässt sich auf den Menschen übertragen. Einerseits gibt es das starke menschliche Bedürfnis nach Nähe, nach Solidarität und Gemeinschaft, nach Freundschaft und Liebe. Andererseits streben die Menschen auch nach Individualismus und Selbstbestimmung. Manche haben das Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein.
In diesem Spannungsfeld von Nähe und Distanz gilt es, ein Gleichgewicht zu finden. Die Herausforderungen liegen im persönlichen Bereich, in der Gestaltung von privaten Beziehungen aller Art: von der Liebe über Freundschaft und Familie, bis zur alltäglichen Begegnung mit anderen.
Die Lebenssituation in einer Großstadt wie Berlin stellt die Fähigkeit jedes Einzelnen auf die Probe, sich im Gewühl der anonymen Menschenmassen zurechtzufinden. Gleichzeitig sorgt gerade die Menge der verschiedenen Menschen für die Faszination und Lebendigkeit der Stadt. Gemeinschaft, Zusammenhalt und Vergnügen stehen Einsamkeit, Isolation und Verlorenheit gegenüber.
Auch die Beziehung des Individuums zur Gesellschaft, zur politischen Situation und zur Geschichte lässt sich unter dem Aspekt von Nähe und Distanz betrachten. Es geht um die Frage, wie stark der Einzelne sein Handeln vom gesellschaftlichen Umfeld beeinflussen lässt, und zugleich darum, wie historische Entwicklungen das persönliche Handeln und Empfinden lenken.
Diese Fragestellungen sind eine Quelle stetig neuer Auseinandersetzungen, Abwägungen und Reflektionen, um die eigene Position zu bestimmen und zu definieren. Gerade mit den Mitteln der Kunst kann die Komplexität der positiven wie negativen Emotionen und Bedürfnisse dargestellt werden.
Die Kunstsammlung der Berliner Volksbank hat einen Schwerpunkt auf figürliche Kunst, so ist naturgemäß das Bild des Menschen stark vertreten. Damit werden die emotionale Situation und die zahlreichen damit verbundenen Fragestellungen des Menschen wie auch des Individuums innerhalb der Gesellschaft häufig zum Thema der Kunst. Auch die Umgebung des Menschen, der konkrete, der metaphorische oder der emotionale Raum, findet in den Kunstwerken immer wieder Beachtung. So bot es sich an, Werke zum Gedanken von ‚Nähe und Distanz‘ auszuwählen und ihm sich mit einer Vielfalt an künstlerischen Positionen anzunähern.

Künstlerische Selbstporträts

Das Hauptmotiv der Ausstellung, Klaus Fußmanns „Atelier mit roter Jacke“, stimmt auf das Thema ein: Distanz wird geschaffen, indem zunächst die Anwesenheit einer menschlichen Person fehlt. Auf den ersten Blick irritiert diese Distanz. Dennoch spricht die Darstellung eindringlich von der Persönlichkeit des Künstlers. Zwar hat er sein Atelier verlassen, doch konkretisieren die Gegenstände im Raum, wie Farbtuben und -töpfe, seine Tätigkeit. Die weiße Wand steht für den mit Kunst zu füllendem Raum. Mit der signalroten Jacke klingt die gestalterische Energie des Künstlers an.
Im Gegensatz dazu verbildlicht Christa Dichgans mit zahllosen kleinen Figuren in „Begegnung mit den Ichs“ die vielfältigen Facetten ihres Selbstverständnisses. Im Vordergrund sieht man sie selbst eine Engelsfigur malend, die als Sinnbild für den Aufbruch und die freie Kreativität des künstlerischen Schaffens begriffen werden kann.
In Wolfgang Mattheuers „Selbstbildnis“ zeigt sich der Künstler mit dem Pinsel in der Hand als „Bild im Bild“ in Gestalt eines Porträts auf der Staffelei. Durch die geöffneten Fenster und die Spiegelungen der Stadtlandschaft darin öffnet Mattheuer den Atelierraum und verweist auf sein Umfeld: Er lässt die Welt von draußen in sein Inneres vordringen und thematisiert die Wechselbeziehung in der Kunst, vielfach gespiegelt und gewandelt. Der komplexe Vorgang des Zurücktretens, um die Wahrheit künstlerisch zu überblicken und zugleich detailliert wiederzugeben, wird durch die Verschachtelung des Raumes angedeutet.

Einsamkeit

Mattheuers „Blinder Mann“ leitet zu einer Gruppe von Werken über, die sich mit der menschlichen Einsamkeit befassen. Die monochrom gemalte Figur erscheint wie versteinert und sitzt ohne Bezug zu ihrer Umwelt vor einem dunklen Hintergrund. Die durch die geschlossenen Augen verdeutlichte Blindheit verhindert die Kontaktaufnahme zur Umgebung.
Diese Unmöglichkeit der Verbindung zeigt auch Ingeborg Hunzingers Marmorskulptur „Über die Schulter“. Die blockhafte Form der Figur lässt keine Interaktion mit dem umgebenden Raum zu, sie ist ganz auf sich selbst konzentriert. Sie erscheint völlig allein und sich selbst überlassen. In ihrer Einsamkeit ist sie ganz auf sich gestellt. Doch changiert die Wirkung auch: möglicherweise schützt sich die Figur auch vor ihrer Umwelt, zieht sich freiwillig zurück und lässt ihre Umgebung bewusst nicht an sich herankommen.
Isoliert bewegen sich auch die Figuren in Wolfgang Lebers „Auf der Galerie“ in einem verschachtelten Raum, möglicherweise eine Situation in einer Bahnstation oder einem Einkaufszentrum. Die Figuren sehen sich nicht an und auch ihre Wege kreuzen sich nicht, eine Begegnung scheint nicht möglich.
Karl-Ludwig Langes „Fast im Warmen“steigert die Abschottung des Individuums weiter. Die schemenhafte, frontale Figur steht dem Betrachter zwar direkt gegenüber – doch vermittelt die Unschärfe der Details und der diffuse Farbraum eine konkrete wie metaphorische Distanz.

Liebe

Die Gegenüberstellung der Bedürfnisse von Nähe und Distanz ist ein immer wiederkehrendes Thema bei der Darstellung von Liebe in der Kunst. In Ruth Tesmars „Unter Wasser – Schweben“ bewegen sich die Silhouetten einer Frau und eines Mannes wie schwerelos in einem blauen Raum. Ihre Körper schweben nebeneinander und passen sich in den Formen ineinander ein, dennoch berühren sie sich nicht. In diesem poetischen Bild lässt sich das Wasser als eine Metapher für das Leben begreifen: Das Paar treibt nah beieinander hindurch und jeder bleibt autonom für sich.
Ein berührendes Bild körperlicher Intimität zeigt Hans Uhlmanns Bronze „Weibliche Gruppe“. Die formal reduzierten Körper sind in einem gemeinsamen Umriss eingeschrieben, die Arme auf den jeweils anderen Körper gelegt, während die Köpfe geradezu miteinander verschmelzen.
Angela Hampels Lithografie „Dich spüren will ich...“ hingegen spricht von der Sehnsucht nach diesem physischen Kontakt, wie der Titel andeutet. Die weibliche Figur verbildlicht den Konflikt dieses Verlangens. Die Figur mit eindringlichem Blick legt den Arm um die eigene Schulter, als wolle sie sich selbst umarmen. In der anderen Hand hält sie ein schlangenförmiges Tier, wobei offen bleibt, ob es abgewehrt oder herangezogen wird. Der kahle Kopf verweist auf das Gefühl von Schutzlosigkeit und Verletzlichkeit.
Ambivalente Emotionen thematisiert auch Hermann Albert in seinem Gemälde „Sich kämmender Akt“. Eine nackte Frau scheint sich in ihrem Zimmer unbeobachtet zu fühlen. Doch ein Schatten an der Wand offenbart einen männlichen Beobachter. Der bedrohliche Aspekt von Begehren und Liebe wird illustriert. Gleichzeitig ist die Szene auch eine Stellungnahme zum Thema Voyeurismus in der männlich dominierten Kunst, in der sich die lange künstlerische Tradition von Darstellungen weiblicher Nacktheit manifestiert.

Begegnung

Bedrohlich wirkt auf den ersten Blick Markus Lüpertz‘ Gemälde „Zwei Krieger“. Zwei Figuren mit archaischen Schilden, Schwert und Lanze begegnen sich angriffslustig. Die Gesichter sind jedoch mit Masken verdeckt, die eher freundlich und offen wirken. So vermittelt die Szene einen Eindruck der Vielgestaltigkeit im Miteinander männlicher Kontrahenten, changierend zwischen Neugier und Aggressivität.
Die Bronzeplastik „Wanderer namenlos“ von Sylvia Hagen präsentiert drei skizzenhaft modellierte Figuren. Es geht vor allem um die Körperhaltungen, die einander zugewandt oder voneinander abgewandt sind. Den „Wanderern“ auf dem Weg des Lebens ist das Wechselspiel von Nähe und Distanz eingeschrieben.
Gerhard Altenbourgs Holzschnitte arbeiten mit der seriellen Vervielfältigung einer immer gleichen Figur. Aneinandergereiht vermitteln sie die Gleichförmigkeit der anonymen Menschenmasse. Zugleich gibt die farbige Gestaltung sowie die mit gedruckte Maserung des Holzes Anlass zur Reflexion über die gleichzeitige Einzigartigkeit des Individuums.
Altenbourgs filigrane Zeichnung „Flug“ zeigt ein einzelnes Wesen, eine mythisch-mystische Gestalt mit Flügeln, die durch die Fähigkeit des Fliegens von ihrer Umgebung getrennt ist. Der mit sanftem Lächeln umgewandte Kopf jedoch scheint auf die Existenz anderer hinzuweisen.

Leben in der Stadt

Zu den frühen Arbeiten aus der Sammlung gehören Werner Heldts Kohlezeichnungen aus Berlin. Er beobachtet hier Szenen aus dem Nachkriegsalltag der Stadt und beschreibt dabei Ansammlungen von Menschen, wie sie Ende der 1940er Jahre im städtischen Leben vielfach vorkamen. In diesen Beschreibungen verschmilzt der Einzelne formal mit der Masse.
In Thomas Hornemanns „Cabaret la Marina“und Kurt Mühlenhaupts „Sommerlicher Badestrand“ werden die heiteren Seiten des Großstadtlebens beleuchtet. Die Menschen kommen sich nah, bei freizeitlichen Vergnügungen vom Tanz in der Kneipe bis zum Sonnen, Baden und Spielen am Strand.
Die Unübersichtlichkeit der Großstadt wird in Ulla Walters Arbeit „U-Bahn“ thematisiert. Die menschlichen Figuren sind zu abstrahierten Formen aufgelöst, dennoch wird das Gefühl von Gedrängtheit, Durcheinander und Dichte nachvollziehbar. Das Individuum tritt in der Bahn nicht in Erscheinung, sondern geht im Gewirr der Masse unter.
Silke Miches „Kästen“ zeigen nicht den Menschen selbst, sondern seine urbane Wohnsituation. In der endlos scheinenden Reihung von Balkonen wird die Konformität und Enge städtischen Wohnraums deutlich. Die leuchtende Farbgebung löst das Bedrückende jedoch auf und lässt die Individualität der Bewohner anklingen.

Der Blick zurück

Mit der politischen Wende nach 1989 ereignete sich in der deutschen Geschichte ein fundamentaler politischer und gesellschaftlicher Wandel, der vielfach auf subtile Weise künstlerischen Ausdruck fand.
Cornelia Schleime beleuchtete im Gemälde „Sibirischer Frühling“ ihre persönliche Situation, als sie 1984 nach großem Druck durch die Behörden der DDR in die Bundesrepublik ausgereist war. Das Gemälde zeigt eine verschneite Landschaft, ein weit entferntes „Sibirien“, von dem sie sich nun distanzieren konnte. Die farbenfrohen Punkte sowie der im Titel angedeutete „Frühling“ symbolisieren ihre optimistische Aufbruchstimmung.
Ganz anders bei Wolfgang Peukers 1990 entstandenem Bild „Pariser Platz II“. Um das Brandenburger Tor dominiert eine bleiern-graue Undurchdringlichkeit. Obwohl durch den Mauerfall das Tor geöffnet ist, scheint die Welt jenseits des Tors unendlich weit entfernt. Eine Begegnung mit den unheimlichen dunklen Gestalten, die von dort kommen, versucht man intuitiv zu meiden.
Ambivalent ist auch Harald Metzkes „Blinde Kuh“ ein Gemälde, das auf den ersten Blick ein heiteres Gesellschaftsspiel zu sein scheint. Doch lässt sich das Bild, wie so oft bei Metzkes, auch als Metapher des gesellschaftlichen Miteinanders verstehen. Die Frau mit den verbundenen Augen versucht, die anderen Personen zu berühren, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Betrachtet man die Entstehung des Werks in der deutschen Nachwendezeit, so könnte es auch ein Kommentar zur Begegnung von Ost- und Westdeutschen sein. Das Nicht-Sehen mit verbundenen Augen steht dabei symbolisch für das Nicht-Wissen und Nicht-Verstehen im Versuch des Zusammenkommens – und auch die ausweichenden Mitspieler unterstreichen das Scheitern der Begegnung.

Janina Dahlmanns

Wie die Epoche der 1920er Jahre das künstlerische Schaffen späterer Generationen bis in die Gegenwart beeinflusst hat, zeigte die Präsentation im Kunstforum der Berliner Volksbank.

Die 20er Jahre faszinieren die Menschen auch noch hundert Jahre nach dieser aufregenden Epoche. Das spiegelt sich im Erfolg von Serien wie „Babylon Berlin“ wider, aber auch eindrücklich in den Bereichen Design, moderne Literatur und aktueller Mode.

Die Kunst reagierte zu ihrer Zeit auf die 20er Jahre mit Stilrichtungen wie der Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus. Wie stark sich davon spätere Generationen von Kunstschaffenden inspirieren ließen und bis heute lassen, zeigt die Ausstellung „Die wilden 20er – Nach(t)leben einer Epoche. Werke aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“. Vorgestellt werden Arbeiten Gudrun Brüne, Albrecht Gehse, Hubertus Giebe, Otto Gleichmann, Clemens Gröszer, Karl Lagerfeld, Hartmut Neumann, Roland Nicolaus, Wolfgang Peuker, Bernard Schultze, Volker Stelzmann, Christian Thoelke und Britta von Willert.

Die Kunstwerke entstanden in den 1970er Jahren bis zur Gegenwart. Sie zeugen davon, wie stilprägend diese Epoche war, und dass auch spätere Künstlergenerationen Bezug nahmen auf die klare, strenge Gegenständlichkeit der Neuen Sachlichkeit und die surrealen und verfremdeten Szenen des Magischen Realismus.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der käuflich erworben werden kann: Publikationen

Katalogtext von Kuratorin Dr. Janina Dahlmanns

Die Kunstsammlung der Berliner Volksbank ist auf gegenständliche Kunst konzentriert, die vor allem in Berlin und den umliegenden Regionen nach 1945 entstand. Es befinden sich daher die verschiedensten Positionen deutscher Kunst der Moderne in der Sammlung, von expressiven Ausdrucksformen über altmeisterlich-realistische Malerei bis hin zu plakativ reduzierten Standpunkten. Eine Gruppe von Werken fällt durch ihre präzise, fast schon betont realistische Malweise sowie durch eine naturalistische Wiedergabe von Farben, Volumina und Perspektive auf. Zugleich zeigt sie verfremdende Effekte wie an nächtliche Visionen oder Träume erinnernde Lichtverhältnisse oder übertrieben dramatische Gesten. Einige Gemälde sind von geheimnisvoller Atmosphäre durchweht und regen den Betrachter an, sich mit der jeweils besonderen Stimmung auseinanderzusetzen.
Die frühesten Gemälde dieser Art aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank entstanden in den 1970er Jahren wie beispielsweise das „Nachtcafé“ von Hubertus Giebe. Eine ganze Reihe wiederum stammt aus den letzten 20 Jahren wie die Arbeiten von Clemens Gröszer, Volker Stelzmann, Wolfgang Peuker oder Gudrun Brüne. Die Malweise dieser Künstler*innen erinnert an den übergenauen Verismus der 1920er Jahre.
In der Zeit der Weimarer Republik setzten sich in der deutschen Kunst verstärkt Strömungen durch, die sich wieder stärker an der gesehenen Wirklichkeit orientierten wie die Neue Sachlichkeit oder der Magische Realismus. Nachdem um 1900 die Moderne mit traditionellen Darstellungsformen gebrochen hatte – der Impressionismus mit der Vorstellung des einheitlichen Lichts, der Expressionismus mit der naturalistischen Farbgebung oder der Kubismus mit der klassischen Perspektive – war europaweit in der Kunst eine „Rückkehr zur Ordnung“ festzustellen. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs strebten die Künstler in Deutschland zu einer neuen Objektivität und einer schonungslosen Darstellung des Gesehenen. Das Aufdecken und die Kritik sozialer Missstände und gesellschaftlicher Ambivalenzen sollte so verbildlicht werden. Andere Künstler malten Szenen, die nur auf den ersten Blick realistisch erschienen, beim genaueren Hinsehen jedoch Brüche mit der vertrauten Wirklichkeit offenbarten und die Unsicherheiten der gesellschaftlichen Situation sichtbar machten. Eine lebendige und durchaus auch vielfältige Kunstszene illustrierte die 1920er Jahre. Von den ausgelassenen Feiern der Bohème in den Städten und deren Tanz auf dem Vulkan, über das neue Rollenverständnis der modernen Frau bis hin zu den gewaltigen sozialen Problemen und der Kluft zwischen Arm und Reich wurde alles thematisiert. Ein brutales Ende fand diese kurze Ära durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933, die dieser kulturellen Blüte ein jähes Ende bereitete.
Es stellt sich die Frage, weshalb Künstler*innen wie Clemens Gröszer, Volker Stelzmann, Hubertus Giebe, Wolfgang Peuker oder Gudrun Brüne viele Jahrzehnte später auf den Stil und die Themen dieser Zeit so eindringlich reagierten.
Bereits Mitte der 1960er Jahren hatte sich im östlichen Teil Deutschlands eine erste Renaissance der Bildsprache der 1920er Jahre herausgebildet. An der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entstand eine figurative Kunstrichtung, die die engen Vorgaben des vom Staat vorgegebenen „Sozialistischen Realismus“ durchbrach und die malerischen, technischen Raffinessen verschiedener kunsthistorischer Vorbilder wieder aufleben ließ. Die bis heute berühmte, so genannte „Leipziger Schule“ wurde geboren. Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig orientierten sich auch an Größen der 1920er Jahre wie Otto Dix, Giorgio de Chirico, Oskar Kokoschka oder Max Beckmann. Bei Tübke spielte die Auseinandersetzung mit älterer Kunst, insbesondere Renaissance und Manierismus, eine tragende Rolle. Bereits die Künstler der 1920er Jahre hatten diesen Blick in die Vergangenheit gerichtet. Gewissermaßen lässt sich stilistisch und technisch von der Renaissance einer Renaissance sprechen, die jedoch thematisch jeweils auf die aktuelle Gegenwart bezogen war. Die Kunst der „Leipziger Schule“ etablierte sich mittels ihrer drei Hauptprotagonisten und wurde durch ihre zahlreichen Schüler an der Leipziger Hochschule weitergetragen und -entwickelt. Zwei stilistische Strömungen dominierten: die Malerei in veristischer, präziser Lasurtechnik und die in gestischer, impulsiver gestalteter Pastosität.
In den 1970er Jahren studierten Giebe, Stelzmann und Peuker an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Sie fanden in der Auseinandersetzung mit Otto Dix, aber auch mit Giorgio de Chirico, einem Vertreter der italienischen Pittura Metafisica, die sich parallel zum Magischen Realismus in Deutschland entwickelte, Vorbilder für die eigene künstlerische Arbeit. Für Giebe war Max Beckmann eine spannende Anregung, Stelzmann setzte sich mit noch älteren Meistern der Kunstgeschichte auseinander wie El Greco oder Pontormo, während Peuker seine eigene Spielart des Magischen Realismus entwickelte. Jeder der Künstler gelangte so zu einem ganz persönlichen Stil.
So gelang der Kunst der Leipziger der Spagat, einerseits der gewünschten Linie der DDR-Kunstpolitik vordergründig zu entsprechen, sich durch Gegenständlichkeit vom Westen abzusetzen, und sich damit ein einigermaßen ungestörtes künstlerisches Arbeiten zu ermöglichen – andererseits eröffneten sich Möglichkeiten, gerade durch Verfremdung und Hintergründigkeit, eigene und unabhängige Bildaussagen zu treffen. So bot die aus den 1920er Jahren stammende Richtung des Magischen Realismus vielen Künstlern der DDR einen Ansatz, mit verrätselten Elementen und zahlreichen Bedeutungsebenen auf die dem Künstler eigentlich relevante Bildaussage zu verweisen – nur dass diese auf den oberflächlichen Blick nicht ersichtlich war.
Gemeinsam sind Künstlern wie Giebe, Stelzmann und Peuker die präzise Linienführung, die Detailgenauigkeit und die fein lasierten Farbschichten ebenso wie die surreal und magisch aufgeladenen Sujets. Zudem haben sie ihren jeweiligen individuellen Stil auch in der Wende- und Nachwendezeit beibehalten. Es scheint, dass die gefundene Bildsprache geeignet war, die eigenen Empfindungen auch angesichts der gesellschaftlichen und persönlichen Veränderungen eindringlich abzubilden.
Weitere Beispiele für Kunstschaffende, die diese an die Kunst der 1920er Jahre angelehnte Malweise in ihre Handschrift übertrugen, sind Gudrun Brüne, in Leipzig ausgebildet und dann in Halle an der Burg Giebichenstein als Dozentin tätig, sowie die beiden Berliner Maler Clemens Gröszer und Roland Nicolaus.
Gröszer schuf mit seinen Werken oft komplexe Erzählungen, die mit vielschichtigen Zitaten aus allen Epochen ein Vexierbild der menschlichen Sehnsüchte, Träume, Hoffnungen und Erwartungen kreieren. Er bezog Allegorien und Symbole in seine Arbeiten ein und verwob die Welten von Traum und Fantasie mit Elementen aus seinem Alltagsleben. So sind seine Figuren, die sich in geheimnisvollen Schattenwelten aufhalten, durchaus im Chic der zeitgenössischen Underground-Szene gekleidet, während ein maskierter Zauberer am Berliner Alexanderplatz neben dem S-Bahnhof stehen kann. Gröszer transponiert eine altertümliche Malweise in seine Gegenwart, dabei war auch stets die technische Perfektion der Malerei ein großes Anliegen.
„Gröszer gehörte früh zu den Malern, die aus den Ingredienzien der Krise, des Verlustes der Autonomie, der Medienkonkurrenz und dem neuen, kommerzbestimmten kulturellen Zeichensystem sozusagen eine Rettungsaktion genuin malerischer Ideen versuchten.“ (Matthias Flügge, in Kat. Gröszer – Antlitz, 2012, S. 11)
Auch Gudrun Brüne konzentrierte sich in ihrem Schaffen auf die malerische Präzision, während ihr Werk zugleich von Symbolen und Allegorien auf das menschliche Dasein durchdrungen ist. In ihrem Schaffen mischen sich häufig die Gattungen: Porträts sind mit Stillleben kombiniert und Figuren treten in schweigende Dialoge mit den Dingen. Traum- und Erinnerungsbilder sind mit realen Szenen aus Brünes Atelier zusammengeführt. Dabei spielen die Gegenstände, wie Puppen, Masken, Erinnerungsstücke eine symbolische Rolle, die die Gesamtwirkung unterstreicht: die Welt von außen wird in der Innenwelt des Ateliers reflektiert.
In besonderer Weise setzt sich Roland Nicolaus mit den 1920er Jahren auseinander. Dabei verbindet er in seinen jüngsten Arbeiten verschiedene malerische Stile miteinander, von der minutiösen Detailmalerei bis zur plakativen Pop-Art, und kreiert collageartige Panoramen. Dabei ist auch dies eine bewusste Reverenz an die 1920er Jahre, ist doch das Prinzip der Collage erstmals in dieser Zeit mit der Dada-Bewegung aufgekommen. In diesen gemalten Collagen, teilweise durch eingeklebte Zeugnisse der Alltagskultur ergänzt, greift Nicolaus Figuren, Beobachtungen und Phänomene der gesellschaftlichen Wirklichkeit in Berlin im 21. Jahrhundert auf und zeigt ein Sittenbild der Gegenwart. Durch Zitate aus der Kunstgeschichte in Konstellationen und Figuren enthüllt er Verwerfungen und Absurditäten der sozialen Realität der Gegenwart, in denen er durchaus auch inhaltlich Parallelen zu den 1920er Jahren in Deutschland sieht. So entsteht ein bitterböser Kommentar zur gegenwärtigen Situation.
Diese magisch-surreale Richtung in der Kunst des späten 20. Jahrhunderts, die einen bedeutenden Teil der gegenständlichen Kunst in Deutschland bildet, findet jedoch mit der Generation der in der DDR ausgebildeten Künstler*innen keinen Endpunkt. Die Faszination der malerischen Akkuratesse, der detaillierten Formulierung des oberflächlich Sichtbaren in Verbindung mit hintersinnig versteckten Bedeutungsebenen wird bis in die Gegenwart auch von jüngeren Künstlergenerationen fortgeführt.
So hat die in den frühen 2000er Jahren ausgebildete Britta von Willert sich ebenfalls für die gegenständliche Malerei entschieden, die mit realistischer Genauigkeit Figuren und Räume modelliert. Dabei bezieht sie bisweilen Gedankenbilder in die Darstellungen mit ein, und zeigt eine offen aufgefasste Tradition des Magisch-Surrealen, wie in ihrer Serie von Berlin-Bildern, die die gewusste Vergangenheit des Ortes in Figuren aus historischen Schwarz-Weiß-Fotografien des frühen 20. Jahrhundert sichtbar macht und spannungsvolle Überblendungen erzeugt. In anderen Arbeiten aus dem Berliner Nachtleben erinnern die stille Atmosphäre und die introvertierten Figuren an die Darstellungen des amerikanischen Malers Edward Hopper. Dieser hatte in den 1920er und 1930er Jahren die Einsamkeit des modernen Menschen und die Entfremdung des Großstadtlebens visualisiert.
Die gesellschaftlichen Themen der Gegenwart in ihrer Beziehung zu den menschlichen Emotionen abzubilden, ist auch das Ziel von Christian Thoelke, der in den Jahren vor und nach der Jahrtausend- wende studiert hat. In seinen Gemälden dominiert eine auf den ersten Blick ruhige Stimmung, die in der genaueren Betrachtung aber auch als latent unheimlich und spannungsgeladen wahrgenommen wird. Es geht um allgemeingültige Fragen des Menschen in Bezug auf Umbrüche, auf Entwurzelung, auf Übergänge, auf Ängste und auf Sehnsüchte. Die gesellschaftlichen Themen werden nicht erzählerisch abgebildet, sondern in ihrem Wesen und Kern sichtbar gemacht. Die malerische Detailschärfe und Präzision in Thoelkes Malerei erinnert an die Neue Sachlichkeit – doch verrät sich hier auch die Inspiration und Anregung durch seine Lehrer Wolfgang Peuker und Ulrich Hachulla, die beide die technische Sorgfalt der „Leipziger Schule“ weitertrugen.
Die Kunst der 1920er Jahre wirkt also bis heute nach und inspiriert Generationen von Künstler*innen. Ihre Herangehensweise und Stilistik bietet eine Möglichkeit, die Fragen und Beobachtungen der eigenen Lebenswirklichkeit auf die Kunst zu übertragen, unabhängig von Zeitstil und Moden. Die Genauigkeit der technischen Umsetzung geht dabei über subjektives Ich-Empfinden und den Ausdruck persönlicher Befindlichkeit hinaus. Die präzise Dingbeschreibung ebenso wie die geheimnisvolle Verrätselung und große atmosphärische Spannung erlauben es, Gedanken zur gesellschaftlichen Situation zu visualisieren, ohne dabei erzählerisch und plakativ zu wirken. Statt- dessen wird auf hintersinnige Weise der Denkprozess des Betrachters angeregt und seine Aufmerksamkeit für Nuancen und Zwischentöne herausgefordert. Dies macht den Reiz und die Faszination dieser Stilrichtung der gegenständlichen Kunst aus, die gewissermaßen zeitlos bis in die Post-Post-Moderne Bestand hat.

Janina Dahlmanns

Ausstellungsfilm „Sachlich magisch”

30:15 Minuten © Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH.

30. Januar bis 28. Juni 2020

In der Ausstellung „Tête-à-Tête. Köpfe aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ treffen Besucherinnen und Besucher des Kunstforums in Charlottenburg auf eine der interessantesten Werkgruppen aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank: Kopfdarstellungen. Es sind herausragende Botschafter der Sammlung, die auf figürliche Kunst spezialisiert ist. Die Werke von 22 Künstlerinnen und Künstlern, die vorwiegend in Berlin und Brandenburg leben, zeigen die Vielfalt der Thematik mit Beispielen aus fast sieben Jahrzehnten von 1950 bis 2018. Seit der Moderne haben sich Künstlerinnen und Künstler immer freier mit dem Thema „Kopfdarstellungen“ auseinandergesetzt, sich dabei vom klassischen Bildnis gelöst und faszinierende Interpretationen geschaffen. In der Ausstellung stehen in besonderem Maße Form und Ausdruck im Dialog mit Material und Technik.

Gestaltet mit Beton, Glas, Stahl, Steinguss und Terrakotta sind die bildhauerischen Arbeiten von Horst Antes, Clemens Gröszer, Dieter Hacker, Christina Renker, Gerd Sonntag und Ulla Walter zu erwähnen. Von wichtigen Künstlern der Sammlung wie Gerhard Altenbourg, Luciano Castelli, Christa Dichgans, Rainer Fetting, Dieter Hacker, Angela Hampel, Martin Heinig, Burkhard Held, Helge Leiberg, Markus Lüpertz, Helmut Middendorf, Roland Nicolaus,  A. R. Penck, Hans Scheuerecker, Erika Stürmer-Alex, Max Uhlig und Dieter Zimmermann stammen vielfältige Gemälde, Zeichnungen, Arbeiten auf Papier und Grafiken.

Einführung zur Ausstellung "Tête-à-Tête. Köpfe aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank" von Kuratorin Dr. Dörte Döhl

Beim Thema „Kopf“ in der Kunst denkt man zunächst an das traditionelle Genre des Porträts. Die Bildniskunst stellt in aller Regel die individuelle Persönlichkeit heraus, und diese Auftragswerke sind zumeist mit der Absicht der Selbstdarstellung oder der Machtinszenierung entstanden. Es handelt sich nicht selten um faszinierende Zeugnisse der Geschichte und Kulturgeschichte. In der modernen abendländischen Kunst des 20. Jahrhunderts sind wir jedoch oft mit Kopfmotiven konfrontiert, die das Individuelle zurückstellen und andere Aspekte des Menschseins unterstreichen oder die Physiognomie neu interpretieren. Es handelt sich nicht um klassische Repräsentation, sondern um die Aufzeichnung von Emotionen und Erfahrungen oder Zuständen und Wahrnehmungen.

Die Künstlerinnen und Künstler von heute können auf eine rund hundertjährige Entwicklung zurückblicken, die die Sichtweisen auf das Haupt des Menschen grundsätzlich erweitert hat. Edvard Munch hat Ende des 19. Jahrhunderts in seinem als „Der Schrei“ bekannten Bild die Emotion der Angst mit einfachen stilistischen Mitteln vor allem im Gesicht seiner Figur erfahrbar gemacht. Kurze Zeit nach der Jahrhundertwende begann Pablo Picasso eine neue Bildsprache zu entwickeln. Angeregt von afrikanischen Skulpturen veränderte er auch die menschliche Figur, indem er die Formen aufbrach. Der Kubismus fokussierte einen Gegenstand aus mehreren Blickwinkeln zugleich und änderte damit auch die Perspektive auf den menschlichen Kopf.

Diese Hinwendung zur Abstraktion wird in den 1920er-Jahren von Paul Klee und Alexej von Jawlensky weiterentwickelt. Klees bekanntes Gemälde „Senecio“ zeigt das runde Gesicht in wenigen kräftigen Farben, auch hier ist der Einfluss afrikanischer Maskenkunst zu unterstreichen. Aber vor allem belegen die geometrische Ausgestaltung mit Quadrat, Dreieck und Kreis den starken Einschlag des Bauhauses, an dem Klee unterrichtete. Systematischer ging der wie Klee aus dem Umfeld der Künstlergruppe „Blauer Reiter” stammende Jawlensky vor. Er löste die Form des Gesichts in ein Muster aus Linien und Farben auf. Nicht nur das, er schuf mehrere Serien, in denen er das Thema systematisch erforschte. Zunächst entstanden die „Mystischen Köpfe”, dann die „Heilandsköpfe” und schließlich sprach er selbst von seinen „Abstrakten Köpfen”. In sich versunken, strahlen die Gesichter eine Spiritualität aus, die ihre Wurzeln in der religiösen Kunst hat. Die Bilder wirken wie Neuschöpfungen im Geist der orthodoxen Heiligen-Ikonen. Zu einer Ikone der modernen Kunst ist Picassos „Weinende Frau“ von 1937 geworden. Als Spiegel starker Emotionen zeigt das Gesicht der Dargestellten Schmerz auf eindringliche Weise. In der Folge des Kriegsgemäldes „Guernica“ entstanden, ist in Gestalt der Lebensgefährtin Dora Maar auch die Tragik der Epoche expressiv eingefangen.

Die Kunstsammlung der Berliner Volksbank umfasst einen umfangreichen Bestand an Kopfdarstellungen, von denen in der Ausstellung „Tête-à-Tête“ nur eine Auswahl gezeigt werden kann. Die Exponate stammen aus den Jahren von 1950 bis 2018 und umspannen daher nahezu sieben Jahrzehnte. Da Bilder vom Menschen ein Motto der figurativen Sammlung ist, sind Köpfe ein wichtiges Sujet unter den über die letzten drei Jahrzehnte zusammengetragenen Kunstwerken.

Für die neue Figuration in den 1960er-Jahren steht der stählerne Kopf von Horst Antes, der insbesondere mit dieser Art der Darstellung bzw. durch die sogenannten „Kopffüßler“ berühmt wurde. Seine kompakten Profile erforschen die universelle Form des in allen Kulturen behandelten Themas. So wirkt auch der „Kopf mit stehender Figur, Reif und Stab“ wie ein archaisches Symbol.

Im Gegensatz dazu hat Gerhard Altenbourg in unzähligen Papierarbeiten filigran ausgearbeitete Gesichter kreiert. In der Kunstsammlung der Berliner Volksbank finden sich dafür herausragende Beispiele. Sein „Kopf“ von 1961 konfrontiert uns mit einer zerfurchten Gesichtslandschaft, in der die Erinnerung eingegraben und gleichzeitig die Vergänglichkeit eingeschrieben ist. In ähnlich intensiver Weise hat sich Hans Scheuerecker dem Thema gewidmet. Die Ausdruckskraft der Linie sticht in seinen „Gesichten“ hervor, die spielerisch mit Elementen der Abstraktion umgehen.

Umrisse sind häufig ausreichend, um eine Kopfform zu assoziieren, was sich auch Helge Leiberg in „Wildheit im Kopf“ zunutze macht. Durch die „Überblendung“ des Gesichts mit einer weiblichen Tänzerfigur verschmelzen Innen- und Außensichten zu einer Vision. Während hier ein emotionaler Zustand beschrieben wird, ist bei Ulla Walters „Freidenker mit archimedischem Punkt“ die Offenheit in allen Richtungen Ausdruck einer Geisteshaltung. Die Hohlform des Kopfes verkörpert die Öffnung nach außen und die Aufnahme nach innen im Denken. Ein Prozess, der immer wieder neu ausgelotet werden muss. Fließende Übergänge und Offenheit sind auch ein Thema bei den Glasskulpturen von Gerd Sonntag. Er hat für seine Köpfe, die aus mehreren Schichten aufgebaut sind, eine neue Technik entwickelt. Die Transparenz des Werkstoffs verleiht ihnen eine Leuchtkraft, die zugleich die Auflösung der geschlossenen Form in Licht und Farbe bewirkt.

Das Thema Kontemplation wird durch den nachdenklichen „Sterndeuter“ von Markus Lüpertz verkörpert, der ein Mittler zwischen unterschiedlichen Welten zu sein scheint. Dem Irdischen entzieht sich auch der idealisierte Kopf von Clemens Gröszer, der in der Tradition übersinnlicher Engelsfiguren steht.

Die kraftvolle Expressivität der Berliner „Neuen Wilden“ ist bei Luciano Castellis monumentalen „Chinesischem Porträt“ und Helmut Middendorfs „Großem Stadtkopf“ aus den 1980er-Jahren bildbeherrschend. Als frei interpretierte zeitgenössische Köpfe sind sie lebensnah eingefangen.

Männer mit Hüten sind das Thema bei Rainer Fetting der Impressionen aus New York wiedergibt. Großstadtbegegnungen hinterlassen flüchtige Eindrücke. Mit dem Accessoire eines Hutes nutzt der Künstler seine Möglichkeiten als Regisseur der Bilderserie.

Dass Kopfbedeckung oder Maske traditionell zur Inszenierung eines Kopfes verwendet werden, greifen Angela Hampel und Roland Nicolaus auf. In ihren Bildern „Selbst mit Maske“ und „Selbstbildnis“ stellen sie zugleich die Frage nach der eigenen Identität. Christa Dichgans zeigt ihr Selbstbild in einem Meer von Köpfen. Sie unterstreicht angesichts der Vielfalt des Seins die Notwendigkeit der Selbstbestimmung des Individuums.

Dörte Döhl

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Er kann für 5 Euro zzgl. Versandkosten erworben werden. Bitte richten Sie bei Interesse eine E-Mail an: kunstforum@berliner-volksbank.de

Ausstellungsfilm „Die dritte Dimension – Kopfkunst von Gerd Sonntag und Ulla Walter”

22 Minuten © Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH.

Roland Nicolaus
Selbstbildnis (Ausschnitt), 1976,
Öl auf Holz
Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 1473
© Roland Nicolaus, 2020
Werkfoto: Peter Adamik
Ulla Walter
Freidenker mit archimedischem Punkt, 2017/18,
Beton, Draht, Ölfarbe, Plexiglas, Glaskugel
Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 1475
© Ulla Walter, 2020, Werkfoto: Peter Adamik
Dieter Hacker, Weizenfeld, 1989, Mischtechnik auf Papier, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 499, Werkfoto: Peter Adamik © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Ausstellung „ZEITENWENDE – 30 Jahre Mauerfall. Werke aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ nimmt das 30-jährige Jubiläum des Mauerfalls zum Anlass, Bilder aus der Zeit der deutschen Teilung und des politischen Umbruchs in der DDR zu zeigen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Künstler aus Ost und West die Mauerstadt Berlin sahen und die „Wende“ von 1989/90 verfolgten.

Rainer Fetting stellte die Mauer in den 1970er Jahren als prägendes Element des Kreuzberger Stadtbildes dar. Er konzentrierte sich in den frühen expressiven Bildern auf die Flächen- und die Perspektivwirkung des Bauwerks. Einen ungewöhnlichen Hintergrund bilden die Maueranlagen auf dem provokanten Selbstbildnis von Wolfgang Peuker aus dem Jahr 1985. Der Künstler inszenierte sich vor einem Stadtbild aus der Vogelperspektive, das ungeschönt die Realität der Teilung abbildet.

Roland Nicolaus regte der Ausblick aus seinem Atelier am Pariser Platz dazu an, sein persönliches Umfeld einer genauen Beobachtung zu unterziehen. Sperranlagen, Kaninchen und Relikte der Vergangenheit prägen das Ost-West-Panorama. Der Leipziger Wolfgang Mattheuer schuf dagegen in den 1980er Jahren Bildkompositionen, die Stimmungen aufgriffen und Sehnsüchten Ausdruck verliehen. In „Und die Flügel ziehen himmelwärts“ versuchen Eingesperrte, ihrer Lage zu entkommen. Sie stehen jedoch vor einem Abgrund. Ein unüberwindbar scheinendes Hindernis und der Drang auszubrechen stehen sinnbildhaft für die Situation vieler Menschen in der DDR. Druck ist auch in einem Gemälde von Hubertus Giebe von 1990 Thema. Eine Mauer wird trotz der unbeweglichen Figuren im Vordergrund mit kraftvollem Schub aufgebrochen. Unsichtbare Kräfte verändern das scheinbar Festgefügte. Werner Liebmann betitelte sein Gemälde aus dem gleichen Jahr mit „Himmelfahrt“. In einer ironischen Anspielung auf die verlockenden Versprechungen der Zukunft zeigt er eine Figur hoch über dem Brandenburger Tor schwebend. Wie der Aufbruch enden wird, bleibt offen.

Die beiden Ostberliner Künstler Manfred Butzmann und Konrad Knebel wurden durch langjährige Studien zu Chronisten des Berliner Stadtbildes. Behutsam legten sie die historischen Schichten und ihre Bedeutung für die Gegenwart frei. Gezeigt werden darüber hinaus Werke von Gerhard Altenbourg, Wolfgang Leber, Giuseppe Madonia, Helmut Metzner, Harald Metzkes, Wolfgang Petrick und Stefan Plenkers aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank sowie ausgewählte öffentliche und private Leihgaben.

Ausstellungsfilm „Die Berliner Mauer und ihr Fall”

28 Minuten © Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH.

Rainer Fetting, Mauer, Kunstharz auf Leinwand, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 946 © Peter Adamik, VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Roland Nicolaus, Potsdamer Platz „Ein Platz für Tiere, 1989, Öl auf Leinwand, 140 x 140 cm, Stadtmuseum Berlin, © Foto: Peter Adamik

7. März bis 7. Juli 2019

Hans Laabs (1915–2004) zählt zu den prägenden Künstlern der Berliner Nachkriegszeit. Im Kreise der Charlottenburger Künstler-Bohème trieb er den Wiederaufbau der West-Berliner Kulturszene voran. Mitte der Fünfzigerjahre zog es den Nonkonformisten nach Ibiza. Dort verbrachte er dreißig Jahre lang malend mehrere Monate im Jahr. In den Achtzigerjahren kehrte er wieder ganz nach Berlin in sein Atelier in der Ludwigkirchstraße zurück. Im Sommer erkundete er Sylt, nach dem Mauerfall die Ostseeküste. Dort fand er Inspirationen für sein poetisches Spätwerk.

Gezeigt werden Werke von Hans Laabs und seinen Weggefährten wie Alexander Camaro, Werner Heldt, Jeanne Mammen, Ludwig Gabriel Schrieber, Heinz Trökes und Hans Uhlmann aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank sowie Leihgaben.

Ausstellungsfilm „Hans Laabs – Ein heiterer Melancholiker”

23 Minuten © Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH.

Hans Laabs, Knabenbildnis, 1950 Oil on canvas, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 655 © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, work photo: Peter Adamik
Ausstellung "WIR. Nähe und Distanz. Jubiläumsausstellung mit Werken der Kunstsammlung der Berliner Volksbank"

7. November 2018 bis 10. Februar 2019

Ende Januar 2019 wurde der im brandenburgischen Altlandsberg nahe Berlin lebende Harald Metzkes 90 Jahre alt. Zu diesem Anlass würdigte ihn die Stiftung Kunstforum mit dieser Ausstellung.

Der in Bautzen geborene Künstler zog Mitte der 1950er Jahre nach Ost-Berlin, wo er sich den offiziellen Vorgaben der Kulturpolitik der DDR verweigerte. Bald wurde er der nonkonformistischen „Berliner Schule” zugerechnet. Er gilt als einer der bedeutenden Künstler der DDR und der zeitgenössischen Kunst. Harald Metzkes schuf vielschichtige und rätselhafte Sinnbilder der gesellschaftlichen Realitäten. Dabei entwickelte er einen insbesondere durch die französische Malerei des 19. Jahrhunderts beeinflussten Stil.

Im Besitz der Kunstsammlung der Berliner Volksbank befinden sich knapp 70 Arbeiten von Harald Metzkes. In der ersten Ausstellung im neuen Kunstforum wurden erstmals alle Gemälde Harald Metzkes aus der Kunstsammlung der Berliner Volksbank gezeigt. Die Sammlung vereint einen über drei Jahrzehnte gewachsenen Bestand an repräsentativen Werken, die Metzkes Entwicklung schlaglichtartig beleuchten.

Ausstellungsfilm „Harald Metzkes – Im Gespräch”

24 Minuten © Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank gGmbH.

Harald Metzkes, Das musische Kabinett, 1989, Öl auf Leinwand, 120 x 130 cm, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 61 © Fotos: Peter Adamik, VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Harald Metzkes, Selbstbildnis an der Staffelei, 1971, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm, Kunstsammlung der Berliner Volksbank K 1425

In der Ausstellung „bankART – Drei Jahrzehnte Kunstsammlung der Berliner Volksbank “ waren hochkarätige Gemälde, Papierarbeiten und Skulpturen im Kunstforum an der Budapester Straße 35 zu sehen.

Einen Höhepunkt der Ausstellung bildete die in dieser Form erstmals gezeigte geschlossene Präsentation des Sammlungsbestandes der Papierarbeiten des thüringischen „Bilderpoeten“ Gerhard Altenbourg. Skulpturen von Horst Antes, René Graetz oder Rolf Szymanski boten darüber hinaus einen facettenreichen Einblick in den Bereich figürlicher Bildhauerkunst. Außerdem wurden zum ersten Mal Werke aus dem Nachlass des Berliner Malers Bertold Haag präsentiert, den die Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank seit 2008 betreut.

Gezeigt wurden insgesamt mehr als 80 Kunstwerke von 47 Künstlerinnen und Künstlern, u. a. Werke von Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Rainer Fetting, Horst Antes, Harald Metzkes, aber auch neu erworbene Arbeiten u. a. von Carsten Kaufhold und Britta von Willert.

Die ausgewählten Kunstwerke ermöglichten einen repräsentativen Blick auf den damals aktuellen Stand der Kollektion, die zu den angesehenen Unternehmenssammlungen deutsch-deutscher Kunst nach 1950 zählt. Kuratorin Dr. Janina Dahlmanns präsentierte die Ausstellung in der Rotunde des Kunstforums unter dem Aspekt „Innenwelten – Außenwelten“.

Für die Fachwelt ein Schock, für Kunstliebhaber und Geschichtsfreunde eine Entdeckungsreise: Überlebensgroße Skulpturen in hellenistischem Stil, Statuen und monumentale Tempelreliefs afrikanischer Herrscher in pharaonischem Ornat, kolossale Tierskulpturen von heiligen Widdern und Löwen, Reliefstelen mit Götter- und Königsbildern und Inschriften in Hieroglyphen, die nicht ägyptisch sind. Die Ausstellung "Königsstadt Naga" zeigte rund 130 Objekte, die erst in den letzten 15 Jahren von einem Forscherteam des Ägyptischen Museums Berlin in der Wüste des Nordsudan ausgegraben worden sind.

Naga war eine königliche Stadt des Reiches von Meroë, das von 300 v. Chr. bis 350 n. Chr. der politisch und wirtschaftlich mächtige südliche Nachbar des ptolemäisch-römischen Ägypten war. Die vom Sudan für diese Ausstellung als Leihgaben zur Verfügung gestellten Werke sind alle im 1. Jahrhundert n. Chr. in Naga geschaffen worden. Trotz dieser räumlich und zeitlich engen Eingrenzung repräsentieren sie in Skulptur, Relief und Architektur ein Spektrum künstlerischer Vielfalt, das von afrikanischer Stammeskunst über ägyptisch inspirierte Arbeiten bis zu Werken reicht, die aus hellenistisch-römischen Quellen schöpfen.

Diese Kunstwerke sind als Weltpremiere eine irritierende Horizonterweiterung des etablierten Bildes der antiken Kunst und Kultur. Sie bilden eine Brücke zwischen Afrika und der Welt des Mittelmeers und stehen damit symbolhaft für eine Region, die auch heute und in Zukunft das Potential besitzt, Kontinente und Kulturräume zu verbinden. Alle Objekte wurden als Leihgaben von der National Corporation for Antiquities and Museums of Sudan zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit den Staatlichen Museen zu Berlin, gefördert durch die Ernst von Siemens Kunststiftung und unterstützt vom Verein zur Förderung des Ägyptischen Museums Berlin e.V.

Plakate gehören wie selbstverständlich zum Alltag. Begonnen hat ihr Siegeszug im Stadtbild vor rund 150 Jahren. Im Zuge der immer größeren Verbreitung dieses Werbemittels entwarfen nicht nur Grafiker Plakate, sondern auch zunehmend Künstler, die sich das Medium aneigneten. Diese massenmediale Werbe- und Kunstform nahm im 19. Jahrhundert bis heute eine dynamische Entwicklung. Plakate sind nicht nur ein Kommunikationsmedium, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft, ihrer Strukturen und Alltagsgeschichte. Häufig dokumentieren sie politisch-soziale Grundauffassungen, Freizeit-, Konsum- und Kulturverhalten im weitesten Sinn sowie Bildungs- und Geschmacksstandards.

"KUNST FUR DIE STRASSE" gibt einen umfassenden Überblick der Plakatkunst aus dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Zu sehen sind u. a. Werke von Henri de Toulouse-Lautrec, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Oskar Kokoschka, Marc Chagall bis hin zu Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Manfred Butzmann und A. R. Penck.

Die Stiftung KUNSTFORUM der Berliner Volksbank zeigte vom 8.9.2010 bis 19.12.2010 in Kooperation mit dem Rumänischen Kulturinstitut "Titu Maiorescu" Hinterglasikonen der Region Siebenbürgen (Transsilvanien) aus der Sammlung Hartmut van Riesen, München und der Sammlung Irina Muntean, Berlin.Weitere Leihgaben kamen aus dem Muzeul National al Unirii, Alba Iulia (Rumänien). Die rund 170 Bilder, die zum ersten Mal in einer Ausstellung zu sehen waren, gaben einen faszinierenden Einblick in die Vielfalt der rumänischen Hinterglasikonen aus dem 19. Jahrhundert.

Sammlung van Riesen, München

Die umfangreiche Sammlung historischer Hinterglasbilder des Münchner Künstlers Hartmut van Riesen und seiner Ehefrau Gisela verdankt ihre Entstehung der Begeisterung für die Hinterglasmaltechnik aus Siebenbürgen. Auslöser der Sammelfreude war eine Hinterglasikone des Heiligen Nikolaus, die das Ehepaar 1966 zum Dank als Geschenk erhielt. Das Interesse für diese volksnahe Kunstform führte die van Riesens über gezielte Ausstellungsbesuche und Kontakte zu anderen Sammlern.

Sammlung Irina Muntean, Berlin

Irina Munteans Sammlung rumänischer Hinterglasikonen aus Siebenbürgen befindet sich bereits in dritter Generation in Familienbesitz. Von klein auf mit ihnen aufgewachsen vertiefte sie ihr Wissen über die Bilder auch durch Tätigkeiten im Brukenthal-Museum in Sibiu und im Antiquitätenhandel. Die einst an den Wänden des Bauernhauses der Großmutter in Rosia (Nordsiebenbürgen) bewunderten alten Bilder, die Faszination der Farben, die märchenhaften Figuren und der mystische Zauber bei flackerndem Kerzenlicht, weckten ihre Leidenschaft und wurden zur Lebensaufgabe.

Sammlung Muzeul National al Unirii in Alba Iulia, Rumänien

In dem 1888 auf Initiative der Gesellschaft für Geschichte, Archäologie und Naturwissenschaften des Kreises Alba gegründeten Muzeul National al Unirii in Alba Iulia wurden rund 200.000 museale Objekte und Kunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart gesammelt. Die Hinterglasikonen bilden innerhalb der religiösen Sammlungsbestände die größte Werkgruppe und stammen aus allen wichtigen Zentren dieser Kunst.


Weitere Informationen:

Ausstellungsflyer (PDF) >>

Zentren der Hinterglasikonen-Malerei (PDF) >>

Rumänisches Titu Maiorescu Kulturinstitut Berlin (PDF) >>


Mit freundlicher Unterstützung:

1328188917370.png